Inhalt
Startseite > Veranstaltungen und Workshops. > Bauland Innenstadt - Flächenverbrauch in NRW reduzieren!
Bauland Innenstadt - Flächenverbrauch in NRW reduzieren!

Gemeinsame Fachtagung der Architektenkammer NRW und des MUNLV
09. März 2010, Bürgerhaus Köln-Nippes
"Der Verbrauch von Freiflächen und Böden in Nordrhein-Westfalen muss reduziert und der Innenentwicklung Vorrang eingeräumt werden!" Das forderten der Präsident der Architektenkammer NRW Hartmut Miksch und Staatssekretär Dr. Alexander Schink aus dem Landesumweltministerium auf dem Kongress "Bauland Innenstadt", zu dem die Architektenkammer NRW in Kooperation mit dem nordrhein-westfälischen Umweltministerium und unter Beteiligung des Ministeriums für Bauen und Verkehr nach Köln eingeladen hatte. Mehr als 250 Architekten, Landschaftsarchitekten, Stadtplaner und Fachleute aus den Planungsbehörden von Land und Kommunen diskutierten darüber, wie mit der wertvollen und endlichen Ressource "Boden" sparsamer umgegangen werden kann. "In den ver-gangenen Jahren wurden täglich durchschnittlich Flächen in der Größe von 20 Fußballfeldern in Siedlungs- und Verkehrsflächen umgewandelt. Das ist zu viel, und dazu gibt es gute Alternativen", betonte der Präsident der Architektenkammer.
Unter der fachkundigen Moderation von Rudolf Scheuvens, Stadtplaner aus Dortmund und Professor an der TU Wien, wurde aus interdisziplinären Perspektiven der Frage nachgegangen, wie vorhandene Flächen aktiviert werden können, wenn zeitgleich widersprüchliche Trends zur Reurbanisierung und Suburbanisierung zu beobachten sind.
Aus Sicht von Architektenkammer und Umweltministerium ist es ein richtiger Weg, frei werdende und brach liegende Grundstücke in städtischen Lagen konsequent zu entwickeln und für Neubauvorhaben zu nutzen. Baulücken können geschlossen, großzügige Bebauungen verdichtet und vor allem Konversionsflächen erschlossen werden. Denn die Nachverdichtung bietet viele Vorteile für die Kommunen: Die bestehende Infrastruktur wird weiter genutzt, einzelne Stadtviertel erhalten vitalisierende Impulse und die Stadt wird insgesamt attraktiver und lebenswerter. Auch ökonomisch ist die Nutzung innerstädtischer Brachen sinnvoll: eine exemplarische Vergleichsrechnung des Büros Drees und Huesmann (Bielefeld) im Auftrag der Architektenkammer NRW zeigte, dass für die Entwicklung einer Wohneinheit im Außenbereich 26 000 Euro aufgewendet werden mussten; für eine vergleichbare Erschließung im Innenbereich lag der Wert lediglich bei etwas über 1.000 Euro je Wohneinheit.
Staatssekretär Dr. Alexander Schink (
PDF-Dokument ca. 1,2 MB) belegte den enormen Flächenverbrauch mit der Berechnung, dass innerhalb der letzten 15 Jahre in Nordrhein-Westfalen Flächen versiegelt wurden, die der gemeinsamen Größenordnung der Städte Köln und Düsseldorf entsprechen. Die Landesregierung hat daher die "Allianz für die Fläche in NRW" ins Leben gerufen, die das Ziel verfolgt, den Verbrauch von Flächen auf ein ökologisch und ökonomisch vertretbares Maß zu reduzieren. Leitlinie für eine rationale Flächennutzung ist der Zielwert des von der Bundesregierung eingesetzten Rates für nachhaltige Entwicklung, den Flä-chenverbrauch bundesweit bis 2020 auf 30 ha täglich zu senken. Für Nordrhein-Westfalen bedeutet dies eine Reduzierung auf einen täglichen Flächenverbrauch von 5 bis 7 ha. Staatssekretär Dr. Schink verwies auf die Bodenschutzklausel aus dem Baurecht und dem Raumordnungsrecht. Trotz gesetzlicher Schutzziele seien die Auswirkungen des Flächenverbrauchs überall erkennbar. Die Strategie für einen neuen Landesentwicklungsplan 2025 setzt daher noch stärker auf Innenentwicklung und auf qualitative Entwicklung.
Die Bedeutung der Städtebauförderung für die Stärkung der Innenstädte hob Klaus Austermann, Referent des Ministeriums für Bauen und Verkehr, hervor (
PDF-Dokument ca. 3,1 MB).
Dr. Martina Werheit, Leiterin der örtlichen Stadtentwicklung in Bergisch Gladbach zeigte, mit welcher methodischen Kompetenz eine Mittelstadt Stadtentwicklungsplanung betreiben und dadurch einen hohen Grad an Baulückenmobilisierung erreichen kann (
PDF-Dokument ca. 8,3 MB).
Dass auch in ländlichen Strukturen Baulücken als theoretisch nutzbare Potentiale identifiziert werden können, zeigte Gernot Pohl; Geschäftskreislei-ter des Amtes für Stadtentwicklung, Kirchheim unter Teck (
PDF-Dokument ca. 3,3 MB). Das Angebot einer individuellen Beratung von Ei-gentümern, bei der die persönlichen Lebensverhältnisse berücksichtigt werden, kann dem zunehmenden Leerstand von Häusern entgegenwirken, der sich infolge der demographischen Entwicklung abzeichnet.
Das erfolgreiche Programm der Stadt Köln zur Baulückenschließung stellte Bernd Streitberger, Beigeordneter der Stadt Köln, vor (
PDF-Dokument ca. 4,0 MB). Die angewandten Planungsgrundsätze lebendiger Stadtquar-tiere sind in einem interaktiven Prozess aus dem Masterplan der Stadt abgeleitet worden.
Stefan Bochnig, Landschaftsarchitekt, hinterfragte das Leitbild der Stadt-landschaft. Auch im innerstädtischen Bereich seien Freiräume zu entwickeln, um neue Qualitäten für die Stadt zu gewinnen. Entsprechend komplex seien innerstädtische Bauaufgaben.
Aus Sicht eines Projektentwicklers und Bauträgers berichtete Georg Willms, Geschäftsführer Schleiff Denkmalentwicklung, Erkelenz; "Was bewegt Investoren?" (
PDF-Dokument ca. 6,0 MB). Gerade außergewöhnliche Objekte, die eine aufwändige Entwicklungsarbeit verlangen, ermöglichen eine hohe Rendite.
Zur qualitätvollen Nachverdichtung (
PDF-Dokument ca. 7,3 MB) zeigte Matthias Fritzen, Architekt, fmg-Architekten, Ahlen, Beispiele aus der Stadt Münster auf, bei denen Parkplätze zu interessanten Neubauprojekten entwickelt wurden.